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Erfahrung schafft Vertrauen

Der neue Pflege-TÜV

Zum 1. November 2019 wird ein neues Bewertungssystem des Pflege-TÜV eingeführt.

Ihr Ansprechpartner

Dipl.-Kfm. Reinhold Jucks
Dipl.-Kfm. Reinhold Jucks
Wirtschaftsprüfer / Steuerberater
0251 - 48204-15
r.jucks@bpg-muenster.de

Der im Jahr 2009 eingeführte sog. „Pflege-TÜV“ des Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) sollte ursprünglich als Entscheidungshilfe für die Auswahl eines Pflegeheims dienen. Das Bewertungssystem, basierend auf Pflegenoten wurde jedoch in der Vergangenheit kritisiert, da die Pflegeheime regelmäßig überdurchschnittlich und unrealistische Spitzenbewertungen erzielten (die Durchschnittsnote aller Heime in Deutschland beträgt zurzeit 1,2) und somit keine wirkliche Differenzierung über die tatsächliche Qualität eines Pflegeheimes ermöglichten. "Ein Pflege-TÜV, bei dem jedes Heim ein sehr gut bekommt, verdient seinen Namen nicht“, so Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.

MDK-Noten werden abgeschafft

2019 ist ein Jahr des Umbruchs in der stationären Altenpflege. Im Zuge des Pflegepersonal-Stärkungsgesetzes (PpSG) wurde Anfang 2019 u.a. beschlossen, mit einem neuen Pflege-TÜV das bisherige "Schulnotensystem" zu reformieren und anstelle von Noten, ein neues, deutlich komplexeres Qualitätsmesssystem zu schaffen, welches verlässliche und detailliertere Aussagen über Qualität und Mängel von Pflegeheimen und Pflegediensten erbringt: Die indikatorengestütze Qualitätsprüfung.

Bisherige Bewertung vor allem quantitativ

Die durch den MDK bisher durchgeführten Überprüfungen von Pflegeeinrichtungen basierten allein auf der Frage, ob bestimmte Kriterien erfüllt sind (z.B. ob bestimmte Gruppenangebote vorhanden sind). In diesem Zusammenhang erfolgte die Bewertung lediglich nach dem Kriterium "Vorhandensein" oder "nicht Vorhandensein". Eine Ergänzung der Bewertung erfolgte durch die Stichproben-Befragung der Bewohner. Anschließend wurde eine Gesamtnote vergeben, bei der etwaige Qualitätsmängel in einzelnen Bereichen kaum ersichtlich waren.

Was ändert sich durch den neuen Pflege-TÜV?

Ab dem 1. November 2019 werden Pflegeeinrichtungen mit dem neuen Verfahren, der sogenannten "indikatorengestützten Qualitätsprüfung" begutachtet und bewertet werden. Laut GKV-Spitzenverband werden künftig vor allem die eigentliche Pflege und Betreuung der Pflegebedürftigen bei der Prüfung stärker im Fokus stehen. Dazu zählen beispielsweise die Ernährung, Körperpflege und Wundversorgung sowie Medikation der Patienten. Auch das Pflegeheim selbst soll bewertet werden, etwa anhand seiner Personalausstattung und Erreichbarkeit. Dabei werden Heimbetreiber stärker eingebunden als bisher.

In der Praxis

Auf die Pflegeheimbetreiber wird im Zuge der Einführung der indikatorengestützten Qualitätsprüfung ein enormer Aufwand in Form von Softwareoptimierung, Prozessanpassungen sowie entsprechender Personalschulung zukommen. Das neue Bewertungssystem basiert auf einer Art interner Qualitätskontrolle, die von außen geprüft wird. Die Pflegeheime müssen in einem halbjährlichen Zeitraum die Versorgungsqualität für ihre Bewohner selbst anhand von Qualitätsindikatoren intern beurteilen und ihre Ergebnisse an eine Datenauswertungsstelle (DAS) elektronisch übermitteln.

Erhoben werden 10 Indikatoren aus 3 Qualitätsbereichen:

Erhalt und Förderung von Selbständigkeit

1. Erhaltene Mobilität

2. Erhaltene Selbstständigkeit bei Alltagsverrichtungen

3. Erhaltene Selbständigkeit bei der Gestaltung des Lebensalltags

Schutz vor gesundheitlichen Schädigungen und Belastungen

4. Dekubitusentstehung

5. Schwerwiegende Sturzfolgen

6. Unbeabsichtigter Gewichtsverlust

Unterstützung bei spezifischen Bedarfslagen

7. Durchführung eines Integrationsgesprächs

8. Anwendung von Gurten

9. Anwendung von Bettseitenteilen

10. Aktualität der Schmerzeinschätzung

Die oben stehenden Indikatoren sollen darüber Aufschluss darüber geben, ob ein Pflegeheim in der Ergebnisqualität über oder unter dem bundesweiten Durchschnitt liegt.

Um Manipulationen bei der Datenerhebung zu vermeiden und um die Akzeptanz der erhobenen Daten in der Öffentlichkeit zu erhöhen, werden die dokumentierten Ergebnisse anschließend durch ein datentechnisches Programm dahingehend untersucht, ob diese nachvollziehbar und logisch sind. Des Weiteren werden die intern ermittelten Qualitätsdaten einmal jährlich in Form einer externen Qualitätsprüfung durch den MDK oder den Prüfdienst der privaten Krankenversicherung im Hinblick auf ihre Plausibilität geprüft. Die Prüfungen werden­ – wie bisher – vorher angemeldet; die Vorlaufzeit beträgt nun allerdings nur noch einen Tag. Hierbei wird anhand einer Stichprobe (9 Bewohner aus 6 Qualitätsbereichen) überprüft, ob die Angaben der Pflegeeinrichtung auch den tatsächlichen Feststellungen vor Ort entsprechen.

Die Einstufung der Qualität richtet sich dann künftig nach einem neuen Bewertungsschema, bei welchem nach vier Kategorien unterschieden wird:

  • Keine Auffälligkeiten oder Defizite
  • Auffälligkeiten, die aber keine Risiken erwarten lassen
  • Ein Defizit mit dem Risiko negativer Folgen
  • Defizite, die explizit negative Folgen nach sich ziehen.

Ergänzend fließen noch allgemeine Informationen in die Bewertung mit ein, wie beispielsweise die Zimmerausstattung oder die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr.

Die vergleichsweise wesentlich detaillierteren Ergebnisse werden anschließend auf den Seiten der Kranken- und Pflegekassen veröffentlicht und in den Einrichtungen ausgehängt. Bis Ende 2020 sollen alle Heime mit dem neuen Pflege-TÜV geprüft werden.

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