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Erfahrung schafft Vertrauen

Biersdorfer Krankenhaus Management Gespräche 2016

Die BPG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft war zu den Biersdorfer Krankenhaus Management Gesprächen vom 14. bis 16. September 2016 eingeladen worden. Der Einladung nach Biersdorf am See in der Südeifel sind neben über 200 Krankenhausgeschäftsführern und Krankenhausberatern auch Herr Wirtschaftsprüfer Jürgen Groteschulte und Frau Rechtsanwältin Sylvia Köchling von der BPG gefolgt. Nachfolgend liefern wir Ihnen einen kurzen Kongressbericht.

Ihre Ansprechpartner

Rechtsanwältin Sylvia Köchling
Rechtsanwältin Sylvia Köchling
Fachanwältin für Medizinrecht
0251 - 48204-16
s.koechling@bpg-muenster.de

Dipl.-Kfm. Jürgen Groteschulte
Dipl.-Kfm. Jürgen Groteschulte
Wirtschaftsprüfer / Steuerberater
0251 - 48204-25
j.groteschulte@bpg-muenster.de

Jedes Jahr im September finden die Biersdorfer Krankenhaus Management Gespräche statt. Sie verstehen sich als ein Gesprächskreis von Kollegen für Kollegen zu praxisnahen Themen zur Lösung von Krankenhaus-Alltagsproblemen.

Der Einladung in die Südeifel folgten auch in diesem Jahr über 200 Krankenhausgeschäftsführer und Krankenhausberater. Von Seiten der BPG nahmen Herr Wirtschaftsprüfer Jürgen Groteschulte und Frau Rechtsanwältin und Fachanwältin für Medizinrecht Sylvia Köchling teil.

Während der erste Tag dem Thema „Krankenhaus X.0 – Möglichkeiten und Grenzen der Digitalisierung“ gewidmet war, war Schwerpunkt des zweiten Tages das Thema „KHSG – Zwischen Unsicherheit und Umsetzung!“

Der erste Kongresstag begann mit dem Vortrag von Herrn Dr. Alexander Schachinger, Geschäftsführer der EPatient RSD GmbH aus Berlin, zu dem Thema „Neue digitale Versorgungsformen: Status quo, Treiber, Hürden“. Der Vortrag wurde als Video-Visite gehalten, da der Referent selbst nicht vor Ort war. Herr Dr. Schachinger berichtete über die bereits bestehenden Apps auf dem Gesundheitsmarkt, z. B. Apps zum Medikamentenmanagement. Diese können einen wissenschaftlichen Nutzen für die Patienten haben, sofern Unverträglichkeiten mit bereits eingenommenen Medikamenten angezeigt werden. Auch Apps mit medizinischer Wirkung gebe es bereits auf dem Markt, z. B. eine App zur Online-Sehschulung bei Ambiyopie (caterna.de) oder die App zur Behandlung von Tinnitus (tinnitracks.com). Lt. Herrn Dr. Schachinger gebe es bisher nur eine Handvoll Start-Ups (ungefähr 2 bis 3) in Deutschland, die solche Apps anbieten. Dies sei viel zu wenig. Außerdem fehle eine übergeordnete Behörde, die diese Angebote koordiniert. Ob durch die gerade gegründete Kooperation zwischen Google und Novartis weitere Apps auf den Markt kommen, bliebe abzuwarten.

Herr Dr. med. Henrik Räwer, Partner bei Rochus Mummert Healtcare Consulting GmbH, Hannover, verwies in seinem Vortrag mit dem Thema „Medizin 4.0 – Herausforderung für das Krankenhausmanagement“ darauf, dass unter dem Stichwort „Medizin 4.0“ die Digitalisierung nun auch in die Kliniken einziehe. Treiber der Digitalisierung sei in erster Linie die Geschäftsführung, weniger die Ärzteschaft oder die Patienten, wobei Herr Dr. Räwer die zu geringen finanziellen Mittel für die Einführung der Digitalisierung als einen wesentlichen Stolperstein ausmachte. Da 82 % der Studierenden im ersten Semester bereits ein Smartphone besitzen, werde die jüngere Generation in der Ärzteschaft die Digitalisierung vorantreiben. Der Druck von außen werde zweifellos stärker werden, was diese Thematik angeht. Junge Ärzte erkundigen sich bereits im Einstellungsgespräch nach der digitalen Patientenakte. Auch die Patienten werden immer mehr das Auslesen von Apps fordern. Das Rhön-Klinikum habe die Zeichen der Zeit erkannt und ein Unternehmen gegründet, das sich an Start-Ups beteiligen soll.

Herr Thorsten Schütz, Abteilungsleiter IT im Klinikum Itzehoe und Vorstandsmitglied des Bundesverbandes der Krankenhaus-IT-Leiter, referierte zu dem Thema „Digitalisierung im Krankenhaus – Status quo und Perspektiven aus Sicht des Praktikers“. Er berichtete, dass im Klinikum Itzehoe IPads zur Arzneimittel- und Anästhesiedokumentation verwendet werden. Die elektronische Patientenakte sei eingeführt. Außerdem arbeite man mit Telemetrie per WLAN. Im Klinikum gäbe es ca. 300 WLAN-Telefone. Auch die Essensbestellung funktioniere digital. In zwei Jahren dürfte die Digitalisierung weiter zugenommen haben. Das gelte insbesondere für die Digitalisierung von Befunden und der elektronischen Medikation. Der Trend ginge zur eigenen Krankenhaus-App. In fünf Jahren könnten Roboter in Service und Pflege eingesetzt werden. Bereits heute sind schon programmierbare humanoide Roboter zum Preis von ca. 7.000,00 € auf dem Markt erhältlich.

Herr Dipl.-Informatiker Timo Baumann von der Deutschen Telekom Healthcare and Security Solutions GmbH berichtete, dass das Universitätsspital Zürich eine Online-Beratung anbietet, wonach ohne Anmeldung eine medizinische Frage gestellt werden kann und man zum Preis von 75,00 € eine fundierte Antwort erhält. Gezahlt wird mit Kreditkarte oder PostFinance Card.

Herr Rechtsanwalt Dr. Christoph Seiler von Seufert Rechtsanwälte aus München gab am 16. September 2016 einen Überblick über die Rechtsfragen des Krankenhausstrukturgesetzes. Seiner Ansicht nach sei bisher nichts erledigt. Der Zeitplan des Gesetzgebers sei unrealistisch. Die Abkürzung „KHSG“ stünde seiner Auffassung nach für Krankenhausschließungsgesetz. Krankenhausschließungen seien ebenso wie eine hohe Bestrafung von Mehrleistungen offenbar beabsichtigt. Mit den Qualitätsanforderungen werde noch mehr Druck ins System gebracht.

Die Regelungskompetenz des KHSG bestehe in der Delegation. So werden wesentliche Entscheidungen auf Vertragsparteien auf Bundesebene und Landesebene delegiert. Dies sei rechtsstaatlich bedenklich. Die Bundesschiedsstelle und der G-BA agieren als Ersatz-Gesetzgeber. Das Bundesverfassungsgericht habe durchaus gewichtige Zweifel an der Rechtsstaatlichkeit des Verfahrens vor dem G-BA geäußert, sei aber leider im konkreten Beschluss nicht im Einzelnen darauf eingegangen. Sollte das Bundesverfassungsgericht erneut Gelegenheit haben, über die demokratische Legitimation des GBA entscheiden zu müssen, könnte das gesamte Arbeitsprogramm des KHSG zum Erliegen kommen.

Der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes Martin Litsch stellte die Frage, was das KHSG aus Sicht der Krankenkassen leisten müsse. Seiner Auffassung nach liefere das KSHG keine Lösung für das Investitionskostendilemma. Ein wesentlicher Rückgang der Betten und der Krankenhäuser sei nicht zu erwarten. Es handele sich nicht um ein Spargesetz. Vielmehr würden die Investitionen in die hochwertige Versorgung von Patienten durch die Krankenhäuser bis zum Jahr 2020 um mindestens 10 Mrd. Euro ansteigen. Die Qualität der Versorgung könne durch Qualitätsverträge und Qualitätsorientierung bei der Krankenhausplanung schrittweise besser werden. Wenn die Versorgung qualitativ und strukturell besser werden soll, müsse die Selbstverwaltung ergebnisorientiert und interessenunabhängig entscheiden. Die Mindestmengen müssten sich weiter entwickeln, z. B. durch einen Einstieg in die Zentrenbildung. Die Notfallversorgung müsste sektorenübergreifend neu strukturiert werden Notwendig sei mehr Mut und Zuversicht sowie die Bereitschaft, auch schmerzhafte Entscheidungen zu treffen.

Vorstehender Bericht soll Ihnen einen Überblick über einige Vorträge liefern. Unsere Darstellung ist keineswegs erschöpfend. Sämtliche Vorträge stehen als Download auf der Homepage der Biersdorfer Krankenhausgespräche (www.biersdorfer-krankenhausgespraeche.de) zur Verfügung.

 

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