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Erfahrung schafft Vertrauen

Die Einführung des Strukturmodells zur Entbürokratisierung der Pflege

Das Strukturmodell hat das Ziel, den Dokumentationsaufwand in Pflegeeinrichtungen zu minimieren und führt gleichzeitig zu einem Paradigmenwechsel im Pflegeverständnis.

Ihr Ansprechpartner

Dipl.-Kfm. Andreas Kamp
Dipl.-Kfm. Andreas Kamp
Geschäftsführer der
BPG Unternehmensberatungsgesellschaft

0251 - 41832-0
a.kamp@bpg-muenster.de

Im Jahr 2013 wurde das Projekt zur „Einführung eines Strukturmodells zur Entbürokratisierung der Pflegedokumentation“ auf den Weg gebracht. Im Januar 2015 hat die bundesweite Implementierung des neuen Strukturmodells begonnen. Als vorrangiges Ziel wurde dabei ausgelobt, den ausufernden Dokumentationsaufwand im Pflegealltag zu verringern und in dessen Folge den Pflegenden mehr Zeit für die Pflegebedürftigen zu ermöglichen. Das Projekt läuft noch bis zum Oktober 2017.

Bis zum 14.07.2016 haben sich bereits rund 4.600 ambulante Pflegedienste und etwa 5.200 Pflegeheime an dem Projekt beteiligt. Damit liegt der Beteiligungsgrad bei den ambulanten Pflegediensten bei rund 37 % und bei den Pflegeheimen bei etwa 42 %. Von den insgesamt rund 24.700 Diensten in Deutschland sind damit inzwischen ca. 40 % an dem Projekt beteiligt. Eine Pflicht zur Umstellung auf das neue Strukturmodell besteht derzeit nicht.

Was sind die Kernpunkte des neuen Strukturmodells?

Durch die Einführung des neuen Strukturmodells erfolgt auch ein Paradigmenwechsel in der Pflege, da eine Abkehr von den etablierten Pflegemodellen „Aktivitäten des täglichen Lebens“ (ATL) und „Aktivitäten und existentielle Erfahrungen des Lebens“ (AEDL) stattfindet und stattdessen ein Person-zentrierter Ansatz verfolgt wird, der die Individualität und die Selbstbestimmung des Pflegebedürftigen hervorheben soll. Daneben soll das Strukturmodell die fachliche Anerkennung von Pflegekräften und ihre persönlichen Kompetenzen stärken.

Das Strukturmodell baut auf einem Pflegeprozess mit 4 Phasen (früher 6 Phasen) auf, der die Grundstruktur des Modells bildet:

  1. Einstieg in den Pflegeprozess mithilfe der Strukturierten Informationssammlung (SIS)
  2. Maßnahmenplanung auf der Grundlage der Erkenntnisse aus der SIS
  3. Berichteblatt mit dem Fokus auf Abweichungen von regelmäßig wiederkehrenden Pflege- und Betreuungsabläufen
  4. Evaluation (mit Fokus auf Erkenntnissen aus SIS, Maßnahmenplanung und Berichteblatt)

Wodurch wird die Dokumentation vereinfacht?

Pflegeeinrichtungen dokumentieren unter der Anwendung des neuen Strukturmodells in der Grundpflege nur noch Ereignisse und Leistungen, die von der festgelegten Pflegeplanung abweichen. Die Dokumentation der Routine- und Grundpflegetätigkeiten entfällt dadurch komplett. Dieses Vorgehen verstößt explizit nicht gegen den Grundsatz „Was nicht dokumentiert ist, ist nicht durchgeführt worden.“. Voraussetzung dafür ist die verbindliche Implementierung eines Verfahrens im Qualitätsmanagement, das die schriftliche Fixierung einer Leistungsbeschreibung und deren Kenntnisnahme mit Gegenzeichnung durch die Pflege- und Betreuungskräfte vorsieht.
Im ambulanten Bereich müssen für die Grundpflege weiterhin die Einzelleistungsnachweise als Abrechnungsbeleg geführt werden.

Die Strukturierte Informationssammlung als Einstieg in den Pflegeprozess

Bei der strukturierten Informationssammlung handelt es sich gewissermaßen um einen Anamnesebogen für neue Klienten bzw. Bewohner einer Einrichtung und sie wird prioritär im Rahmen des Erstgesprächs eingesetzt. Wo in etablierten Pflegemodellen, wie AEDL oder ATL, sehr umfassende Fragenkataloge mit vorgefertigten Antworten und Punktwerten bearbeitet wurden, setzt die SIS auf eine freie, aber gezielt eingesetzte Fragetechnik der erhebenden Pflegekraft. Die SIS fußt auf 5 wissenschaftsbasierten Themenfeldern, die an die Module des Neuen Begutachtungsassessment (NBA), das zur Feststellung der neuen Pflegegrade angewandt wird, angelehnt sind:

  1. Kognition und Kommunikation (NBA: Kognitive und kommunikative Fähigkeiten)
  2. Mobilität und Bewegung
  3. Krankheitsbezogene Anforderungen und Belastungen (NBA: Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Anforderungen)
  4. Selbstversorgung
  5. Leben in sozialen Beziehungen (NBA: Gestaltung des Alltagslebens und soziale Kontakte)

Ein sechstes Themenfeld fragt spezielle Aspekte zur Haushaltsführung (ambulant) und Wohnen/Häuslichkeit (stationär) ab.

Über eine Risikomatrix werden zusätzlich pflegesensitive Risiken und Phänomene durch ein Ankreuzverfahren erfasst und bewertet. Die Erkenntnisse aus der SIS werden dann in die bewohnerbezogene Maßnahmenplanung einbezogen, die in der Regel eine (Rahmen-)
Tagesstrukturierung darstellt. Im Berichteblatt werden dann lediglich Abweichungen von der Routine dokumentiert, um bei der in fachlich angemessenen Abständen erfolgenden Evaluation Korrekturen in der Maßnahmenplanung vornehmen zu können.

Die strukturierte Informationssammlung kann für Pflegeeinrichtungen ein wichtiger Baustein sein, um Prozesse und Strukturen zu verschlanken. Die BPG Unternehmensberatung steht Ihnen daneben gerne als kompetenter Partner für das Thema Organisationsentwicklung zur Verfügung.

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