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Geänderte Auffassung der Finanzverwaltung: BHKW künftig wesentlicher Gebäudebestandteil

Blockheizkraftwerke stellen nach neuer Auffassung der Finanzverwaltung nicht mehr ein selbständig bewegliches Wirtschaftsgut, sondern einen wesentlichen Bestandteil des Gebäudes dar.

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Dipl.-Kfm. Mario Wallenfels
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Prüfungsleiter, Mitarbeiter Steuerabteilung
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Blockheizkraftwerke (nachfolgend: BHKW) stellen nach neuer Auffassung der Finanzverwaltung nicht mehr ein selbständig bewegliches Wirtschaftsgut, sondern einen wesentlichen Bestandteil des Gebäudes dar. Hierauf einigten sich die obersten Finanzbehörden des Bundes und der Länder[1] [2]. Dies gilt für alle solche Fälle, in denen das BHKW keine sog. Betriebsvorrichtung darstellt, also der eigentliche Zweck in der Gebäude- und Wasserbeheizung liegt.

Zurückzuführen ist die geänderte Verwaltungsauffassung auf ein Urteil des Finanzgerichts Rheinland-Pfalz[3]. Im Urteilsfall entschieden die Richter, dass bei einem Wohngebäude, in dem die alte Heizungsanlage durch ein BHKW ersetzt wurde, die Anschaffungskosten für das BHKW als Erhaltungsaufwand sofort abzugsfähig sind und nicht über die Nutzungsdauer des BHKW abgeschrieben werden müssen.

Bisher wurden BHKW über ihre betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer von zehn Jahren abgeschrieben[4]. Aufgrund der geänderten Auffassung der Finanzverwaltung werden die Aufwendungen für die Anschaffung oder Herstellung des BHKW künftig dem Gebäude zugerechnet und zusammen mit diesem abgeschrieben.

Falls die Abschreibungsdauer des Gebäudes länger als zehn Jahre ist, können demzufolge weniger Abschreibungen für das BHKW pro Wirtschaftsjahr geltend gemacht werden. Dies ist in der Regel dann der Fall, wenn ein BHKW zusammen mit dem Gebäude angeschafft oder hergestellt wird sowie im Falle nachträglicher Anschaffungskosten nach § 255 Abs. 1 S. 2 HGB  und im Falle anschaffungsnaher Herstellungskosten nach § 6 Abs. 1 Nr. 1a EStG. Auch kann der Betreiber eines BHKW zukünftig keinen Investitionsabzugsbetrag und keine Sonderabschreibung nach § 7g EStG mehr geltend machen und auch keine Investitionszulage erhalten.

Vorteile bringt die neue Verwaltungsauffassung für solche Fälle, in denen eine alte Heizungsanlage durch ein BHKW ersetzt wird. Dann nämlich können die entstandenen Kosten sofort und in voller Höhe als Erhaltungsaufwand geltend gemacht und das Jahresergebnis bzw. im Falle einer gemeinnützigen Körperschaft i.S.v. §§ 52ff. AO das Ergebnis des steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetriebs dadurch gesenkt werden.

Falls ein BHKW noch im Jahr 2015 angeschafft, hergestellt oder zumindest verbindlich bestellt wurde, greift eine Übergangsregelung. Hier hat der Steuerpflichtige ein Wahlrecht zwischen der neuen und alten Verwaltungsauffassung, die gegenüber der Finanzverwaltung spätestens für den Veranlagungszeitraum 2015 im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung oder im Rahmen des Feststellungsverfahrens auszuüben ist. Gerne beraten wir Sie in diesen Fällen und ermitteln die für Sie günstigere Alternative. Für alle Fälle ab dem Veranlagungszeitraum 2016 ist die neue Verwaltungsauffassung zwingend anzuwenden.

[1] SenFin Berlin, Erlass vom 23.7.2015 – III B – S 2190 – 1/2014 - 1

[2] FinMin Schleswig-Holstein, akt. Kurzinfo ESt 55/2010 vom 21.7.2015

[3] FG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 23.9.2014 - 3 K 2163/12

[4] OFD Niedersachsen, Verfügung vom 15.12.2010 – S 2240 – 186 – St 221/St 222

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