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Generalistische Pflegeausbildung – Zielführend oder Kontraproduktiv?

Zukünftig werden die drei Ausbildungsberufe Altenpflege, Gesundheits- und Krankenpflege sowie die der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege zu einer neuen generalistischen Pflegeausbildung mit einem einheitlichen Berufsabschluss zusammengeschlossen.

Ihr Ansprechpartner

Dipl.-Kfm. Andreas Kamp
Dipl.-Kfm. Andreas Kamp
Geschäftsführer der
BPG Unternehmensberatungsgesellschaft

0251 - 41832-0
a.kamp@bpg-muenster.de

 

Am 13. Januar 2016 beschloss das Bundeskabinett den Referentenentwurf für das Gesetz zur Reform der Pflegeberufe. Inhalt des Pflegegesetzes ist einerseits die Zusammenführung der drei Ausbildungsberufe Altenpflege, Gesundheits- und Krankenpflege sowie der Zusammenschluss der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege zu einer neuen generalistischen Pflegeausbildung mit einem einheitlichen Berufsabschluss. Darüber hinaus soll es ebenfalls eine einheitliche Finanzierung mit Schulgeldfreiheit und Ausbildungsvergütung geben sowie die Einführung eines Pflegestudiums, welches zur unmittelbaren Tätigkeit an pflegebedürftigen Menschen aller Altersstufen qualifiziert.

Somit muss künftig ein Pflegestudium oder eine berufliche Pflegeausbildung vorliegen, um die neue Berufsbezeichnung „Pflegefachfrau/Pflegefachmann“ führen zu dürfen. Die Umsetzung soll stufenweise bis zum geplanten Inkrafttreten am 1. Januar 2018 (Finanzierungsregelungen ab 1. Januar 2017) erfolgen.

Pflegestudium und berufliche Pflegeausbildung

Das dreijährige Pflegestudium umfasst theoretische und praktische Lehrveranstaltungen sowie Praxiseinsätze in Einrichtungen. Die Verantwortung der Koordination und Ausgestaltung des Studiums obliegt den Hochschulen. Diese schließen Kooperationsvereinbarungen für die Praxiseinsätze mit den jeweiligen Einrichtungen. Die Ausbildung kann weiterhin in Vollzeitform als auch in berufsbegleitender Teilzeitform absolviert werden.

Schwerpunkt der neuen generalistischen Pflegeausbildung liegt weiterhin auf der beruflichen Ausbildung. Diese umfasst einerseits theoretischen und praktischen Unterricht an Pflegeschulen sowie eine praktische Ausbildung, welche sich aus Pflichteinsätzen, einem Vertiefungseinsatz und weiteren Einsätzen verschiedener Einrichtungen zusammensetzt. Hierfür tragen die Träger der praktischen Ausbildung die Verantwortung und schließen ebenfalls einen Ausbildungsvertrag mit den Auszubildenden. Generell führt dies zu einer Ausweitung der Aufgaben für die Träger der praktischen Ausbildung, die mit einem zusätzlichen personellen und zeitlichen Aufwand einhergehen wird. So sind neben der praktischen Anleitung (mind. 10 % der während eines Einsatzes zu leistenden praktischen Ausbildungszeit), die theoretische und praktische Ausbildung zu koordinieren, ein Ausbildungsplan zu erstellen, die Praxiseinsätze zu organisieren und Vereinbarungen sowie Kooperationsverträge mit weiteren an der Ausbildung beteiligten Einrichtungen zu schließen. Dies stellt insbesondere für kleinere Unternehmen und Einrichtungen eine ernstzunehmende Herausforderung dar.

Finanzierung

Insgesamt sind Mehrkosten in Höhe von 322 Millionen Euro zu erwarten. Diese entstehen in voller Höhe erst ab dem Jahre 2023. Bis dahin können Ausbildungen und Finanzierungsregelungen weiterhin nach bisherigem Recht abgeschlossen werden. Zukünftig erfolgt die Finanzierung der generalistischen Pflegeausbildung über einen auf Landesebene organisierten Ausgleichsfonds, welcher von allen Akteuren des Pflegebereichs über Umlageverfahren finanziert wird. Die Träger der praktischen Ausbildung und die Pflegehochschulen erhalten, entsprechend der jeweils gemeldeten Ausbildungsverhältnisse, die voraussichtlichen (bezifferten) Mehrkosten der Ausbildungsvergütung sowie ein Ausbildungsbudget. Ausgezahlt wird das Budget in Form von monatlichen Ausgleichszuweisungen, welche zweckgebunden für die Ausbildung zu verwenden sind. Der Träger der praktischen Ausbildung hat den Auszubildenden für die gesamte Ausbildung eine Ausbildungsvergütung zu zahlen. Dieses muss einer tarifvertraglich vereinbarten Vergütung sowie entsprechender Vergütungen nach kirchlichen Arbeitsregelungen entsprechen. Eine Abweichung davon ist nicht möglich.

Fazit

Insgesamt sind die Reaktionen auf die geplante Pflegereform durchwachsen. Einerseits stellt sie eine dringend notwendige Reaktion auf die sich ändernden Rahmenbedingungen in der pflegerischen Versorgung dar und führt automatisch zur europaweiten Anerkennung des Berufsabschlusses gemäß den Anforderungen der EU-Richtlinie 2013/55/EU. Andererseits birgt die Reform vor allem im Bereich der Altenpflege erheblichen Diskussionsbedarf. Unter anderem ist es fraglich wie mit der derzeitigen Ungleichheit der Gehälter in der Kranken- und Altenpflege umgegangen werden kann. So müssen die Einrichtungen der Altenpflege in die Lage versetzt werden, eine Gehaltsstruktur vorzuhalten, die es ihnen erlaubt, mit der Krankenpflege vergleichbare Entlohnungen zahlen zu können. Eine weitere Ungleichheit der Gehälter würde die Verschärfung des Fachkräftemangels im Bereich der Altenpflege zur Folge haben. In diesem Zusammenhang muss insbesondere die Nachwuchsgewinnung thematisiert werden, um eine mögliche Verortung der Auszubildenden in den Krankenhäusern zu vermeiden. Darüber hinaus findet der oben genannte Mehraufwand für die Träger der praktischen Ausbildung aktuell keine Berücksichtigung in den Finanzierungsregelungen. Wichtige Inhalte wie die Ausbildungs- und Prüfungsordnung oder die Ausgestaltung der Kooperationsvereinbarungen sollen erst nachträglich geregelt werden und liegen noch nicht vor.

Die BPG Unternehmensberatung rät: Machen Sie sich attraktiv für mögliche Auszubildende/Studenten? Treten Sie branchenübergreifend mit Kolleginnen und Kollegen in Kontakt? Gewinnen Sie Kooperationspartner. Bei weiterführenden Fragestellungen und mit einem weit verzweigten Netzwerk an gesundheits- und sozialwirtschaftlichen Einrichtungen stehen wir Ihnen gerne als Ansprechpartner zur Verfügung.

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