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Erfahrung schafft Vertrauen

Hausarztaktionsprogramm und Landarztquote

Durch das Landarztgesetz Nordrhein-Westfalen als Teil eines Hausarztaktionsprogramms der Landesregierung soll der Hausärztemangel in NRW behoben werden.

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Rechtsanwältin Sylvia Köchling
Rechtsanwältin Sylvia Köchling
Fachanwältin für Medizinrecht
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Das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales Nordrhein-Westfalen (MAGS NRW) hat ein Aktionsprogramm „Hausärztliche Versorgung“ aufgelegt, mit dem die Niederlassung in ländlichen Bereichen attraktiver gemacht werden soll. Zu diesem Zweck wurde bereits am 18. Dezember 2018 das "Gesetz zur Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung in Bereichen besonderen öffentlichen Bedarfs des Landes Nordrhein-Westfalen (Landarztgesetz Nordrhein-Westfalen – LAG NRW)" verabschiedet (GV. NRW. 2018, S. 729). Ziel des Gesetzes ist die Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung in unterversorgten und von Unterversorgung bedrohten Gebieten in Nordrhein-Westfalen.

Landarztquote

Mit der im April 2019 veröffentlichten Verordnung des Landesarbeits- und Gesundheitsministers Karl-Josef Laumann wurde die sogenannte Landarztquote geschaffen (MBl. NRW. 2019 S. 172). Ziel der Landarztquote ist es, motivierte und qualifizierte Studenten zu finden, die in Zukunft als Hausärztinnen und Hausärzte in unterversorgten oder von Unterversorgung bedrohten Regionen arbeiten wollen, indem ein gewisses Kontingent der Medizinstudienplätze in Nordrhein-Westfalen an Bewerberinnen und Bewerber vergeben wird, die sich verpflichten, nach ihrer Facharztausbildung für zehn Jahre in einer unterversorgten Region als Hausärztin oder Hausarzt zu arbeiten. Auswahlkriterien sollen neben der Abiturnote (30 %) und dem Ergebnis des Studierfähigkeitstests (30 %) auch die Berufserfahrung und die besondere fachliche und persönliche Kompetenz für die hausärztliche Tätigkeit (40 %) sein.

Interessierte Studenten können sich um entsprechende Medizinstudienplätze bewerben. Die erste Bewerbungsphase vom 31. März bis 30. April 2019 für das Wintersemester 2019/2020 ist bereits abgeschlossen. Nach den Angaben des MAGS NRW soll es über 1.300 Bewerbungen für die 145 zur Verfügung stehenden Medizinstudienplätze im Rahmen der Landarztquote geben. Die Auswahlgespräche finden am 18. und 19. Juni 2019 in Münster statt. Eingeladen werden 290 Bewerberinnen und Bewerber mit den besten Vorleistungen aus Abiturnoten Test für medizinische Studiengänge und einschlägigen Ausbildungs- und Tätigkeitszeiten. In den Auswahlgesprächen bewerten Juroren mit ärztlicher und psychologischer Fachkompetenz anhand von kurzen Interviews und Spielszenen mit professionellen Schauspielern unter anderem Empathie und Sozialkompetenz.

Für das Sommersemester 2020 stehen 25 Studienplätze im Rahmen der Landarztquote zur Verfügung. Bewerbungen für das Sommersemester sind vom 1. bis 30 September 2019 möglich. Die Auswahlgespräche für das Sommersemester 2020 finden im Dezember 2019 statt.

Studierende im Rahmen der Landarztquote müssen sich vertraglich verpflichten, nach Abschluss des Medizinstudiums und der einschlägigen fachärztlichen Weiterbildung für zehn Jahre in der hausärztlichen Versorgung in unterversorgten oder von Unterversorgung bedrohten Regionen in Nordrhein-Westfalen tätig zu werden. Wird die vertragliche Verpflichtung nicht erfüllt, ist von dem Betroffenen eine Strafzahlung in Höhe 250.000 € an das Land zu leisten.

Förderung der Niederlassung und Anstellung von Hausärzten

Auch die Niederlassung und Anstellung von Hausärzten wird im Rahmen des vom Landesministerium aufgelegten Hausarztaktionsprogramms gefördert.

So werden finanzielle Anreize für eine hausärztliche Tätigkeit in ländlichen Regionen gefördert. In Kommunen mit einer Einwohnerzahl bis zu 25.000 gibt es einen finanziellen Anreiz für die Niederlassung, indem das Land bis zu 60.000 € als nicht rückzahlbaren Zuschuss an den Arzt zahlt. Aber auch Kommunen mit einer Einwohnerzahl von bis zu 40.000 können von dem Hausarztaktionsprogramm unter bestimmten Voraussetzungen profitieren.

Konkret werden Zuwendungen insbesondere für eine Niederlassung als Hausarzt, für eine Teilnahme an der vertragsärztlichen Versorgung durch angestellte Hausärzte und für die Übernahme bzw. Errichtung von Zweigpraxen in Gebieten gewährt, in denen die hausärztliche Versorgung aufgrund der Altersstruktur der Hausärzteschaft bedroht ist bzw. mittelfristig gefährdet sein kann. Zuwendungsempfänger im Rahmen des Hausarztaktionsprogramms können sowohl Ärzte als auch Medizinische Versorgungszentren sein.

Darüber hinaus werden Weiterbildungsassistenten mit 500 € monatlich unterstützt, die in den Förderregionen ihre Weiterbildungszeit in Hausarztpraxen absolvieren.

Konsequenzen für die Praxis

Der Hausärztemangel wird sich künftig noch weiter verstärken, da mehr als die Hälfte der in Nordrhein-Westfalen tätigen Hausärzte älter als 55 Jahre ist und aus Altersgründen voraussichtlich in den kommenden 10 bis 15 Jahren ihre Praxis aufgeben wird. Ob das Hausarztaktionsprogramm dieser Entwicklung wirksam entgegensteuert, bleibt abzuwarten. In jedem Fall ist es zu begrüßen, dass man sich in Nordrhein-Westfalen diese Thematik annimmt und nicht nur das Studium, sondern auch die Niederlassung und die Anstellung von Hausärzten finanziell fördert. Zur Höhe der Fördermittel und des Förderprogramms empfiehlt sich ein Blick auf die Homepage des MAGS NRW.

Gerne sind wir bei der vertraglichen Gestaltung der Übernahme einer Hausarztpraxis oder der Errichtung einer Zweigpraxis sowie bei der Begleitung des vertragsärztlichen Zulassungsverfahrens behilflich.

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