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PSG II: Die neuen Begutachtungs-Richtlinien und das Neue Begutachtungsassessment - Was bedeutet das für die Praxis?

Die neuen Begutachtungs-Richtlinien (BRi) zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit messen den Grad der Fähigkeitsbeeinträchtigung mithilfe eines Punktesystems. Das neue Verfahren berücksichtigt nun auch psychische und kognitive Beeinträchtigungen.

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Dipl.-Kfm. Andreas Kamp
Dipl.-Kfm. Andreas Kamp
Geschäftsführer der
BPG Unternehmensberatungsgesellschaft

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Mit der Veröffentlichung der neuen Begutachtungs-Richtlinien (BRi) zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit nach dem Neuen Begutachtungsassesment (NBA) wurde ein weiterer großer Schritt zur Umsetzung des PSG II abgeschlossen. Die Begutachtungs-Richtlinien dienen dem Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) und der privaten Pflegeversicherung als Arbeitsgrundlage zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit. Ziel ist es, einerseits eine Begutachtung nach einheitlichen Kriterien auf Bundesebene zu gewährleisten und andererseits eine hohe Qualität der für die Feststellung der Pflegebedürftigkeit maßgebenden Gutachten sicherzustellen. Die Begutachtungsrichtlinien schildern im Detail das neue Begutachtungsverfahren, welches auf dem neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff aufbaut. Dieser wird im  §  14  Abs.  1  Sozialgesetzbuch  (SGB)  XI  wie folgt definiert:

„Pflegebedürftig im Sinne dieses Buches sind Personen, die gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten aufweisen und deshalb der Hilfe durch andere bedürfen.“

Wie funktioniert das neue Begutachtungsassessment?

Das NBA misst die Schwere der Selbständigkeits- bzw. Fähigkeitsbeeinträchtigung mithilfe eines Punktesystems und liefert die Grundlage für die Einstufung in einen der fünf Pflegegrade. Dabei werden die Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten in sechs Lebensbereichen (Module) erhoben und mit Punkten bewertet. Es gilt: Je mehr Punkte der Begutachtete erhält, desto höher der Pflegegrad sowie die daraus resultierenden Pflege- und Betreuungsleistungen.

Punktesystems zur Einstufung der PflegegradeDie einzelnen Module bestehen aus Kriterien anhand derer der Grad der Beeinträchtigung in genau diesem Lebensbereich ermittelt wird. Beispielsweise besteht das Modul 1 (Mobilität) aus den fünf Kriterien: Positionswechsel im Bett, Halten einer stabilen Sitzposition, Umsetzen, Fortbewegen innerhalb des Wohnbereichs und Treppensteigen. Die einzelnen Kriterien werden mit Punkten bewertet und in einem ersten Schritt zu einem Gesamtwert pro Modul zusammengezählt. In einem zweiten Schritt werden nun die Gesamtwerte pro Modul nach einer festgelegten Berechnungsregel in einen sogenannten gewichteten Punktwert umgerechnet. Durch die unterschiedliche Gewichtung der einzelnen Module fließen diese entsprechend ihrer Bedeutung für den Alltag unterschiedlich stark in die Berechnung des Pflegegrades mit ein. Dieser ergibt sich aus der Zusammenführung der gewichteten Punktwerte der sechs Module. Das Ergebnis ist ein Gesamtpunktwert, der zwischen 0 und 100 Punkten liegen kann.

Die Bewertung des MDK stellt dann eine Empfehlung für die zuständige Pflegekasse dar, die letzten Endes darüber entscheidet, ob der Pflegegrad genehmigt wird.

Worin unterscheiden sich das alte und das neue Begutachtungsverfahren?

Während sich die bisherige Begutachtung auf die Zeit konzentrierte, die ein pflegender Angehöriger oder eine andere nicht als Pflegekraft ausgebildete Pflegeperson für die erforderlichen Leistungen der Grundpflege (Mobilität, Ernährung und Körperpflege) und der hauswirtschaftlichen Versorgung durchschnittlich benötigt, bildet nun die Selbstständigkeit das Maß für die Pflegebedürftigkeit eines Menschen. Das neue Begutachtungsverfahren stellt somit den Menschen, seine Ressourcen und Fähigkeiten in den Mittelpunkt. Neu ist, dass nun auch die psychischen und kognitiven Beeinträchtigungen, die speziell demenzkranke, aber auch psychisch kranke oder geistig behinderte Menschen an einer selbstständigen Lebensführung hindern, in umfassender Weise in die Begutachtung mit einfließen.

Wie geht es weiter?

Sowohl der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff als auch das neue Begutachtungsinstrument treten zum 01.01.2017 in Kraft. Bis zum 31.12.2016 gilt somit noch das alte Verfahren. Der Zeitpunkt der Antragsstellung ist entscheidend dafür, welche Verfahrensweise zur Anwendung kommt.

Personen denen bereits eine Pflegestufe zugewiesen wurde und/oder bei denen Erhebliche Einschränkungen in der Alltagskompetenz bestehen, werden mit dem 01.01.2017 automatisch in einen Pflegegrad überführt, ohne dass ein Antrag gestellt werden – oder eine nochmalige Begutachtung erfolgen muss. In diesem Falle besteht ein Bestandsschutz, welcher gewährleistet, dass der Umfang der bisherigen Leistungen, z.B. Pflegegeld durch die Überführung in das neue Verfahren nicht gekürzt werden kann.

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